Liebe Gemeinde,

 

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

welches Wort ist Ihnen als erstes „ins Auge gesprungen“? Das in breiten, schweren Buchstaben geschriebene „Leid“ oder das in dünnen, leichten Buchstaben geschriebene „Light“?

Spannungsvoll stehen die beiden Wörter zueinander. Je mehr man die Augen zusammenkneift, umso mehr verschwinden die blutroten Buchstaben im Hintergrund und treten die hellen, klaren Buchstaben hervor. Doch übermächtig steht das „Leid“ hinter dem „Light“ und scheint sogar an dessen sieghaft strahlenden Gelb zu partizipieren.

Leid und Leiden sind nichts Schönes oder Angenehmes. Im Gegenteil, sie belasten Leib und Seele. Das Leid des anderen kann mich berühren und zu Mitleid bewegen. Wer etwas falsch gemacht hat, so dass es ihn belastet und er sich entschuldigen möchte, sagt oft: Es „tut“ mir leid. Das Leid trifft also, einzelne wie ganze Völker. Und leider gehört es zentral zu uns Menschen, zu den düsteren Seiten unseres Wesens und unserer Geschichte, dass wir oft auch Leid verursachen, bewusst oder unbewusst. Der dunkle, blutrot wabernde Hintergrund mit den dazu gehörigen, leicht helleren Buchstaben drückt dies aus.

Wie ein Zeichen von „Woanders her“ hat der Künstler aber nun das aus der „Fremde“ stammende Wort „Light“ symmetrisch und auf die gleiche Grundlinie wie das „Leid“ gelegt. Und das kennen wir doch auch: „Wie durch ein Wunder … blieb er unversehrt … überstand sie die schwere Krankheit … bekamen wir Recht …“. Eine „Wort-Spielerei“, die uns anregen soll, über unser Leben nachzudenken: was trägt uns, was hält uns, was macht unser Leben „light“?

Nicht erst moderne Künstler greifen zu abstrakten Begriffen, um dieses Thema darzustellen. Am Anfang seines Evangeliums schreibt auch Johannes von diesem Wunder: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns“ – den, der in unsere Welt kommt, Jesus, nennt Johannes abstrakt „Wort“ und beschreibt ihn als „Licht“. Das wahre „Licht“ kam in die Welt und erleuchtet jeden Menschen, was sicherlich nicht nur qua Verstand und an Weihnachten, sondern vor allem mit dem Herzen und im ganzen Leben gelebt werden soll.

Deshalb soll das englische „Light“ – durch die Überlagerung der beiden Wörter und ihre wie ein Reim klingende akustische Nähe – jedem Leid ein Beistand und eine Ermutigung zu sein: In guten wie in schweren Zeiten können wir zu Gott kommen und uns sein Licht ins Herz leuchten lassen. Die Anordnung deutet darauf hin, dass dieser Lichtschimmer auch von außen angeregt werden kann, also nicht nur durch Gott, sondern auch durch uns: durch das, was wir tun, mit Worten, mit Gesten, oder auch mit Taten.

Und wenn dadurch ein Spalt Licht im Herzen des Leidenden ankommt, dann kann es eine Heilkraft zu entfalten, die alles zu verändern vermag. Weit über den starren und begrenzenden Rahmen hinaus.

Kompliziert? Eigentlich gar nicht: Jesus macht es jedes Jahr an Weihnachten wieder vor: Er kommt als Kind in der Krippe, will unsere Herzen erwärmen, damit wir dann von dieser Wärme an andere weitergeben. Manchmal kann das auch ganz einfach sein…

Eine gute und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer,

Dr. Martin Weber