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Auf der Plaça de la Porta de Santa Catalina in Mallorca ist diese Kirche zu finden. Auf den Kopf gestellt. In den Asphalt gebohrt, als hätte jemand diese kleine Kirche wie ein Geschoss von oben (aus dem Himmel?) in den Boden gerammt. Unwillkürlich möchte man nach oben schauen, ob da noch etwas kommt, dem man dann lieber ausweicht. Wie diese kleine Kirche da schräg im Boden steckt und gerade so die Balance zu halten scheint, ohne umzufallen, geht von dieser Installation etwas sehr Spannungsvolles, ja fast Aggressives aus.

Der amerikanische Künstler Dennis Oppenheim hat diese Installation 1999 geschaffen. Als er 2011 gestorben war, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Kunst habe für ihn bedeutet, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Eine ähnliche Installation wurde zuvor schon 1997 in Vancouver aufgestellt. Dort gab es Proteste gegen die umgestürzte Kirche, viele empfanden sie als blasphemisch. Erst der Hinweis auf ihren Titel „Device to Root Out Evil“ – „Vorrichtung zur Entwurzelung des Bösen“ – konnte die Gemüter besänftigen: Was konnte gegen eine solche Funktionszuschreibung für die Kirche einzuwenden sein?

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Wenn ich dieser Installation einen Titel geben dürfte, dann – gerade nach dem vergangenen Jahr – vielleicht: „Die Kirche bleibt – aber anders!“ Die Kirche wird bleiben, davon bin ich überzeugt. Aber nicht mehr im althergebrachten Sinne, sondern unter den sich verändernden Bedingungen unserer Zeit. Die Zeichen der Zeit kennen wir – und wir beklagen sie oft: sinkende Mitgliederzahlen, geringere Beteiligung an Gottesdiensten, das Schwinden christlicher Werte und kirchlichen Einflusses, der Rückgang von Wissen über Bibel und Christentum, viele Konkurrenzangebote vom Sportverein bis zum verkaufsoffenen Sonntag, usw. ...

Heute sind weder Menschen noch Gesellschaften im Ganzen gezwungen, sich nach christlichen oder kirchlichen Vorstellungen zu verhalten. Und viele tun es auch nicht mehr. Selbst bei uns auf dem Land sind die Mitgliederzahlen dramatisch und so selbstverständlich unsere Angebote genutzt und unsere Traditionen gelebt werden – oft braucht es nur einen Anlass oder eine Gelegenheit, diese Mitgliedschaft zu hinterfragen und auszutreten. Natürlich schlägt sich das dann auch irgendwann finanziell nieder.

 

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Viele sagen daher: Die Kirche müsste halt besser in die heutige Zeit passen, um die Menschen wieder zu gewinnen und zurück in die Kirchen zu holen. Sie sollte sich modern, weltoffen und fortschrittlich geben.

Ich glaube, dass wir das mit dem Großteil unseres Handelns und unserer Angebote auch sind! Soll sie aber wirklich in der Gegenwart aufgehen und alles mitmachen, was der Zeitgeist so hin und her weht? Sollen wir alles bei uns nur deshalb auf den Kopf stellen, damit am Ende alles wieder beim Alten ist? Und wen oder was würden wir am Ende damit wirklich und dauerhaft gewinnen? Und warum und wozu?

 

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Oppenheims Darstellung vermittelt mir eine andere Vorstellung von der Kirche: Eine Kirche, die in einem durchaus spannungsreichen Verhältnis zur Welt steht. Mit einer Botschaft, die – anders als unsere oft frömmelnde und lebensferne Rede über Gott – scheinbare Gesetzmäßigkeiten hinterfragt, Herzen trifft, in die Tiefe führt und Biografien verändert. Wie das aussieht, können Sie auf den nächsten Seiten lesen und bei all unseren Angeboten erleben. Und dort, wo das geschieht, wird Kirche ganz von alleine immer wieder neu, zeigt sich einer ungewohnten und attraktiven Gestalt – und es wird wieder deutlicher, wohin wir unterwegs sind: Für die Menschen am Reich Gottes bauen – was für ein großartiges Geschenk, so etwas tun zu dürfen!

„Device to Root Out Evil“ – „Vorrichtung zur Entwurzelung des Bösen“. Kirche ist nicht Selbstzweck und alle unsere Angebote, die wir initiieren, alle Bereiche, wo wir uns engagieren, entspringen unserem Auftrag für diese Welt. Und ich bin überzeugt davon: Wir wachsen und gewinnen in dem Maß, in dem wir von uns selbst absehen und diesen Inhalt klar in den Vordergrund stellen – natürlich auch in neuen Formen, aber unabhängig von dem, was gerade modern oder wählbar zu sein scheint. Klar und eindeutig, statt beliebig und austauschbar. So wird unsere Kirche auch in der Zukunft unsere Kirche bleiben: Nutzen wir sie!

 

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer,

 

Dr. Martin Weber

Termine

Sa, 26.6. 11-11:45 Uhr
Rottach-Egern Wallbergkircherl/Wallberg
So, 27.6. 10:15 Uhr
Pfr. Dr. Martin Weber
Rottach-Egern Auferstehungskirche Rottach-Egern
Do, 1.7. 19:30 Uhr
Hans
Tegernsee Evang. Pfarrhaus Tegernsee, Gruppenraum
Fr, 2.7. 11:45 Uhr
Peter Wolff
Tegernsee Kath. Pfarrkirche Tegernsee
Sa, 3.7. 11-11:45 Uhr
Rottach-Egern Wallbergkircherl/Wallberg
So, 4.7. 10:15 Uhr
Pfarrerin Kopp-von Freymann
Rottach-Egern Auferstehungskirche Rottach-Egern
Do, 8.7. 19:30 Uhr
Hans
Tegernsee Evang. Pfarrhaus Tegernsee, Gruppenraum

Tageslosung

Gottes Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4
Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Johannes 8,31-32

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