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warum wünschen wir uns „Schöne Weihnachten“? Was ist so besonders an dieser Geburt vor 2000 Jahren in einem Stall in Betlehem? Was macht diese Geburt so besonders, wo doch jedes Jahr jedes Jahr etwa 13 Millionen Kinder geboren werden, umgerechnet etwa 350.000 Geburten pro Tag, knapp 3 Kinder in jeder Sekunde!

Natürlich ist so eine Geburt immer etwas besonders, vor allem wenn sie uns selbst betrifft, persönlich oder in unserem Umfeld.

Aber mit diesem Kind in der Krippe muss es etwas auf sich haben, was über das reine geboren werden hinausgeht, etwas, das mir das Gefühl gibt, angenommen und geliebt zu sein, etwas, was mich meine Gefühle und meine Sehnsucht spüren, sie aushalten und leben lässt. Etwas, was mir Ruhe, Frieden, Heimat und Sinn gibt – in all unseren Auf-, Um- und Abbrüchen, in den Unsicherheiten unseres Lebens, unserer Beziehungen, unserer Politik.

Und ich glaube, dass der Grund dafür darin liegt, dass dieses Leben nicht von seinem Beginn, sondern von seinem Ende her gedacht wird: von Ostern.

Ursprünglich wurde nur die Ostergeschichte erzählt. Die Geschichte von der Geburt, von Weihnachten war das letzte, was aufgeschrieben wurde. Denn irgendwann tauchte natürlich auch die Frage auf: Wie hat es denn mit diesem Menschen Jesus angefangen? Ist er etwa vom Himmel gefallen? War Jesus auch ein Kind wie ich? Und da begann man dann schließlich auch die Weihnachtsgeschichte aufzuschreiben. Aber nicht einfach nur so als Bericht von dem, dass da ein besonderes Kind geboren wurde: die Weihnachtsgeschichte ist viel mehr. Sie bildet den Abschluss von dem, wofür das ganze Leben Jesu steht. Und deshalb sollte alles, was wir nach der Auferstehung von Jesus erfahren und begriffen haben, schon ganz am Anfang mit drinstecken in der Geschichte. Verborgen, aber doch da – das Osterei im Weihnachtsbaum:

„Aus Bethlehem wird der Erlöser kommen.“ – So heißt es in unserer Bibel und deshalb musste die Geburt auch dort passieren.

„Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ – Deshalb war der Stall wichtig.

Die Futterkrippe erinnert an das harte Kreuz. Viele Künstler stellen das Kind in der Krippe deshalb mit Leinentüchern oder in einer Kreuzform ausgestreckten Haltung dar.

Und auch die ersten Geschenke der Weisen aus dem Morgenland weisen auf Ostern hin: Gold, Weihrauch, Myrrhe als Symbole für die Ewigkeit und das Reich Gottes.

In Weihnachten steckt Ostern drin, weil nur vom Ende her der Anfang gesehen werden kann. Und deshalb wünschen wir uns auch „Schöne Weihnachten“. Weil es eben kein sinnentleertes, oberflächliches Event ist, das man jedes Jahr wieder feiert, weil man halt feiert. Es ist echt, weil es die Sehnsucht unseres Lebens beschreibt. Weil es zeigt, dass wir einen Gott haben, der für uns da ist, unser Leben kennt, der uns trägt, der uns hält und der versteht, wenn wir zu ihm kommen. Weil er dieses Leben selbst gelebt hat, von der Geburt bis über sein Ende hinaus.

Weihnachten sagt uns: Wir sind gehalten und getragen, wir dürfen im Gefühl dieser Liebe unser Leben hier auf dieser Welt leben. Und wir müssen es auch tun, nach unseren eigenen Möglichkeiten: Gott kommt in die Welt hinein, deshalb können wir uns nicht aus ihr heraushalten, gerade bei dem, was auf diesem Planeten aktuell passiert.

Weihnachten erinnert uns daran, dass es da einen Gott gibt, der uns guttun will, der für uns da sein will. Und selbst da macht er es uns noch leicht: Einem Baby zu glauben, dass es einfach nur lieb gehabt werden will, ist einfacher, als einem vergoldeten Gott auf einem unerreichbaren Thron.

Weihnachten heißt, dass wir jedes Jahr wieder neu eine Chance haben, der Liebe zu glauben. Und da kann man doch tatsächlich nur sagen: „Schöne Weihnachten!“

Ihr Pfarrer

Dr. Martin Weber

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