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Bildrechte: Stefanie Gerhardt, Universal Child, 2018

ein kleines Kind schaukelt im dunklen Universum – und scheint sich dabei wohl zu fühlen. Es schaut interessiert nach links in die sternenübersäte Unendlichkeit. Hell heben sich sein weißes T-Shirt und die rote Baseballmütze von der schwarzen Nacht ab, die es von allen Seiten umgibt. Der kleine Pferdeschwanz verrät, dass es wohl ein Mädchen ist, das sich auf seinem Schaukelsitz im Weltall vergnügt.

Kann das sein? Wer oder was hält die Seile der Schaukel? Woher kommt das Licht, welches das Kind warm und vertraut beleuchtet? Und was ist das für ein geheimnisvolles Leuchten, das sich wie ein weiches Polster unter dem Kind ausbreitet?

    Nicht auf den ersten Blick, aber das Bild selbst ermöglicht Antworten auf diese Fragen: Die gespannten Seile verraten, dass die Schaukel gehalten wird, auch wenn nicht zu sehen ist, an welcher Stelle die Seile befestigt sind. Das helle Licht von der Seite ist da, auch wenn die Lichtquelle selbst nicht sichtbar ist. Der warme Schein unten lässt vermuten, dass das Licht von einer lebensfreundlichen Atmosphäre reflektiert wird.

    Anders formuliert:

    • Da ist jemanden, der das Kind mit seinem Licht beleuchtet und unsichtbar hält.
    • Da ist jemand, dem das Kind wichtig ist und es im Vergleich zur Unendlichkeit des Alls groß macht und aufleuchten lässt.
    • Da ist jemand, der das Mädchen in kindlichem Urvertrauen seine haltgebende Präsenz ganz real spüren und erleben lässt.

    So schaukelt das Kind trotz der Dunkelheit voller Vertrauen, weil es weiß: Ich bin nicht verloren! Ich werde gehalten! Es ist hell! Obwohl das Mädchen ganz allein ist in der Unendlichkeit des Alls, braucht es keine Angst zu haben. Vielmehr strahlt es die Freude aus, die beim lustvollen Hin- und Herschaukeln mitschwingt.

    Dieses Hoch- und Hinüberschaukeln mag viel vom Lebensgefühl ausdrücken, das wir alle kennen: Das Hinüberblicken und Hinüberschwingen in etwas Neues, vielleicht auch eine ungewisse, dunkle Zukunft. Doch wer sich in das Kind hineinzuversetzen und die Schaukelbewegung aufzunehmen vermag, erinnert sich vielleicht auch an das beruhigende Gefühl, gehalten und getragen hin- und hergewiegt zu werden.

    Oder daran, wie gut – nicht nur in Kindertagen – das Hin- und Herpendeln auf der Schaukel tat: Die Schwerkrafterfahrung im Belastungswechsel von Erdenschwere und Schwerelosigkeit, das rhythmische Hoch und Runter, das gepaart mit Beschleunigung und Verlangsamung, Anspannung und Entspannung zum Finden der Mitte und zur Stabilisierung des Gleichgewichtssinnes beitrug.

    So dient das Schaukeln auch dem Einschwingen der Seele in den Rhythmus des Kosmos:

    Das Schaukeln holt ins Hier und Jetzt zurück, lässt das Gehaltensein spüren, aber auch die unbeschwerte Freiheit. Es vermittelt Selbstvertrauen, die Bewegung und den Schwung mit den eigenen Kräften und eigenem Geschick mitzugestalten.

    Schaukeln wie ein Kind ist ein Gleichnis für die Beziehung des Gläubigen zu seinem Gott und Vater. Es vermittelt das Wissen um einen liebenden Halt, der Gemeinschaft, Verbundenheit und damit Sicherheit in allen Lebenslagen gibt. Und es bringt das Urvertrauen zum Ausdruck, das in allem unserem Tun mitschwingt, dass, wenn alles anders kommt, als wir es uns ausdenken, vorhersehen oder planen konnten, wenn also alle Stricke reißen, Gott nicht nur über uns, sondern auch unter uns seine liebende Gegenwart wie ein rettendes Netz ausgespannt hat, um uns im Fall aufzufangen und uns wieder aufzuhelfen.

     

    Von guten Mächten wunderbar geborgen,
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

    Noch will das alte unsre Herzen quälen,
    noch drückt uns böser Tage schwere Last.
    Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
    das Heil, für das du uns geschaffen hast.

    Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
    so lass uns hören jenen vollen Klang
    der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
    all deiner Kinder hohen Lobgesang.

    Von guten Mächten wunderbar geborgen,
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

    (Dietrich Bonhoeffer)

     

    Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen, Ihr Pfarrer

    Dr. Martin Weber

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