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Krieg in Europa. Millionen Menschen sterben, leiden, sind auf der Flucht …

Ist ein Ende abzusehen? Was kann und was soll man da noch sagen, angesichts dieser brutalen, sinnlosen, mörderischen Gewalt?

„Nie wieder Krieg!“, so lautete die Schlagzeile nach dem Ersten Weltkrieg. „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“, so bekannte es der Ökumenische Rat der Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich selbst bin in den 80er Jahren politisch sozialisiert worden: Wiederaufrüstung, Pershing2, Berufssoldatentum – „Schwerter zu Pflugscharen“ war da der biblische Slogan. Und doch ist Krieg jetzt wieder Wirklichkeit. Und all die Demonstrationen für Frieden, die Appelle, die Bilder wirken ein wenig hilflos, fast naiv.

Europa ist für die meisten von uns verbunden mit der Erfahrung von Freiheit, Wohlstand und Frieden. Natürlich hat dieses Bild durch verschiedene Krisen und Konflikte schon früher Risse bekommen, aber erst mit diesem Krieg wird deutlich wie zerbrechlich, wie dünn, vielleicht auch wie trügerisch unsere Vorstellung ist – vielleicht auch, wie sehr wir uns mit billigen Konsum und warmen Worten haben zuschütten lassen, weil wir etwas anderes ja gar nicht sehen, nicht wahrhaben, uns gar nicht vorstellen woll(t)en.

Dabei ist Friede nicht selbstverständlich. Wir müssen ihn pflegen, hüten, schützen, bewahren – und suchen, immer wieder suchen. Allen Erfahrungen zum Trotz: „Suche den Frieden und jage ihm nach“, so heißt es im Buch der Psalmen (Psalm 34,15). Wir müssen dies tun, weil es so leicht ist, ihn zu zerstören, und so unendlich schwer, ihn wieder zu gewinnen. Und es gibt keine Alternative! Es ist wichtig, gegen die Gewalt zu beten, zu reden, zu leben, zu arbeiten. Immer wieder und immer weiter. Auch dann noch, wenn es zu spät ist – bis es wieder aufhört, zu spät zu sein. Und gerade in Friedenszeiten ist es dann wichtig, dem Ungeist des Krieges und der Logik der Gewalt erst gar keinen Raum zu geben. Frieden erfordert dauerhafte Pflege. Frieden ist Arbeit, mühselig, immer wieder neu. Arbeit an Verständigung, Begegnung, Versöhnung. Und Christus preist Menschen, die dies tun, selig – auch dann, wenn unsere Erfahrungen von Ohnmacht dem widersprechen.

Was das jetzt für mich heißt? Wie gehe ich damit um, was da gerade auf mich einströmt und was kann ich ganz praktisch tun? Ich denke zweierlei:

Beten und Handeln!

Zuerst beten, denn beten wirkt – in mir und bei meinem Gegenüber. Es hilft mir, meine eigenen Gedanken zu ordnen, mich selbst zu orientieren, mir Kraft und Zuversicht zu holen. Es schafft ein Bewusstsein, wie gut es mir geht – trotz allem und wie dankbar ich dafür sein darf. Und es hilft auch dem Anderen: es stiftet Gemeinschaft, gibt Mut und zeigt Verbundenheit: Du bist nicht allein. Beten ist die Voraussetzung für sinnstiftendes und hilfreiches Handeln. Und das kommt dann automatisch aus dem echten Gebet:

Das Helfen! Es gibt Momente, in denen man – wie Bonhoeffer es im Nationalsozialismus formuliert hat – „dem Rad in die Speichen fallen“, in denen man auch Gewalt ausüben muss, um schlimmere Gewalt für andere zu verhindern. Natürlich müssen wir alles tun, damit Menschen erst gar nicht in diese Situationen einer Ultima Ratio kommen, aber ja, ich muss den Menschen vor Ort helfen, dass sie sich nicht abschlachten lassen müssen, mit Geld, mit Nahrung, mit Medizin und auch mit Waffen, mit allem, was hilft, ihr Leben und über-leben zu sichern.

Viele von uns tun das, so, wie es ihnen möglich ist. Die große Politik rückt zusammen, um Widerstand gegen die Aggression zu leisten. Und vor Ort ist die Hilfsbereitschaft groß, denen, die hierher kommen zu helfen, mit allem, was wir haben: Wir stellen Raum zur Verfügung, geben Geld, Arbeitskraft und verzichten auch auf den ein oder anderen Luxus – denn wir dürfen weiter hier leben: in unserer Heimat, im Frieden und trotz allem auch im Wohlstand. Wie gerne gebe ich da ab, um nicht tauschen zu müssen!

Beten und Handeln!

Friede ist nicht die Abwesenheit von Krieg, sondern Krieg ist zerstörter Friede. Und auch wenn es naiv ist, ich bin überzeugt davon: Am Ende wird der Friede siegen. Weil Gott selbst ihn geschaffen hat und immer wieder neu erschafft. Das ist meine Hoffnung – allen Erfahrungen von Gewalt und Krieg zum Trotz. Deshalb stehe ich jeden Tag auf, deshalb bete ich jeden Tag und deshalb tue ich jeden Tag, was mir möglich ist, den Frieden zu suchen und den Opfern zu helfen:

Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf. Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf. Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt. Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.

Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr. Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr. Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein. Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.

Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt. Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt, damit wir leben könnten, in Ängsten und doch frei, und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt. (EG430,1-4)

 

Trotz allem und gerade deswegen: eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer

Dr. Martin Weber

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